Painted With Words

Erzählungen aus dem verdrehten Leben einer jungen Psychologiestudentin :)
 

Meta





 

Crappy Crappy Birthday

Heute ist mein Geburtstag. Nicht heute, genau jetzt. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich an diesem tag irgendetwas besonderes finde. Im Gegenteil, gerade fällt mir das atmen noch schwerer als sonst. Ich fühle mich unglaublich einsam. Niemand ist da. Keine netten Worte, keine Umarmung, kein Arm an den ich mich anlehnen kann. Bloß Leere, innere Leere, die alles andere in sich zu verschlucken scheint, als hätte man mir ein schwarzes Loch in den Brustkorb geschlagen. Nichts hilft aber vielleicht muss ich da einfach durch.

Ich fürchte mich vor diesem Tag, denn ein paar Menschen kommen vorbei, um mit mir zu feiern? Was soll ich feiern? Mein bester Freund ist tot. Einfach verschwunden, von jetzt auf gleich. Wieso, frage ich mich, und das mag ein sehr egoistischer Gedankengang sein, muss mir immer alles auf einmal passieren? Erst die Krebsdiagnose, am gleichen Tag werde ich von meinem Partner verlassen und jetzt stirbt mein bester, mein einziger Freund. In einem Unfall. In Oxford. Weit weg von mir.Manchmal komme ich mir vor, wie in einem schlechten Horrorfilm, einem Horrorfilm, der kein Ende nehmen will.

Mir ist schlecht und ich habe Panik. Der Schmerz scheint kein Ende zu nehmen und ich frage mich, was ich an diesem Leben noch finden soll? Ich versuche mein Bestes, immer wieder tu ich das und doch zerbricht es mich jedes Mal. Und mein bester Freund? Ein solcher Gutmensch, eine solch liebe und sanfte Seele, so lebensmutig und immer positiv gestimmt. Noch vor ein paar Wochen stand mein eigenes Leben auf der Kippe und wir haben viel geredet. Jetzt ist er es, der uns einfach verlässt. Das tut weh. Mehr als aller Schmerz, den ich je empfunden habe, sei es physisch als auch psychisch.

Das alles hatte er nicht verdient. Niemand hat das. Und heute Nacht frage ich mich, ob ich nicht besser an seiner Stelle gewesen wäre.


Rennstallluft und Pferdeduft!

Dieser Freitag war selbst für meine Verhältnisse ziemlich abgefahren! Eine gute Bekannte, die gerade eine Ausbildung zur Pferdewirtin mit dem lebensmüden Schwerpunkt Rennreiten macht, hatte mich eingeladen, sie beim täglichen Training zu besuchen. Gesagt getan, also stand ich gegen 5 Uhr in der Früh beinahe ehrfürchtig vor dem zugegeben ziemlich prunkvollen Haupthaus des zuständigen Ausbildungsstalles und drückte zaghaft auf den Klingelknopf.

"Hallo Milena, komm doch schnell mit, ich bin schon im Training" Wann hatte sie angefangen, heute Nacht um 3? Oder hatte sie seit gestern nicht aufgehört? "...Okay." Ich folgte ihr zögerlich und schon im nächsten Moment überfiel uns ihr Trainer, der mit Fotokamera und einer altbackenenen Stoppuhr bewaffnet den Gang entlang gespurtet kam. Ihr erstes Pferd heute Morgen, war eine schmale braune Stute, die schon in der Box nervös auf der Stelle tänzelte. Zwei Stunden lang stand ich wie gefesselt am Geländer der Bahn und schaute ihr gebannt dabei zu, wie sie mit 60 KmH (so hatte man mich belehrt) auf dem Rücken verschiedenster Pferde das Geläuf entlang folg.

Irgendwann tauchte ein anderer Jockey-Kollege hinter mir auf, tippte mir auf die Schulter und wies mich mit einer Kopfbewegung an, ihm zu folgen. Vor einem seltsam geformten Sportgerät im Haupthaus kamen wir zum stehen. "Das ist unser Rennsimulator" erklärte er trocken "Er simuliert das laufende Pferd" Ich nickte, das machte Sinn. Eine knappe Minute später fand ich mich samt Kappe und Stiefeln auf einem der pferdeförmigen Sportgeräte wieder und hatte Mühe nicht in hohem Bogen den Luftraum unsicher zu machen. Mit reiten, so wie ich es gewohnt war, hatte das wenig, wenn nicht gar nichts gemein. Ein bisschen erinnerte es mich an mein Voltigiertraining aber auch bloß ein bisschen.

Das alles war schon ein spannendes Erlebnis, aber hätte ich gewusst, was der Tag als nächstes für mich bereit hielt, wäre ich wahrscheinlich auf der Stelle in Ohnmacht gefallen, dafür hätte es keinen Pferdeförmigen Rennsimulator gebraucht.

Als ich dem engagierten Jockey zurück nach draußen folgte, schwang sich Sarah (meine Bekannte) gerade aus dem Sattel und warf ihrem trainer einen erwartungsvollen Blick zu. "1:25" brummte dieser unzufrieden und die Enttäuschung in seiner Stimme war unverkennbar. "Zwei ganze Sekunden langsamer" Sarah seufzte und ich staunte und dann passierte das unglaubliche: "Lass die kleine Mal aufs Pferd" (Mit die kleine war ich gemeint, dabei war ich heute Morgen noch keinem einzigen begegnet, der größer gewesen wäre). "Ich?!" fragte ich halb schockiert, halb begeistert" und der Trainer nickte nur Stumm.

Das nächste, woran ich mich erinnere ist, dass ich auf dem Pferderücken saß und versuchte meine vor Nervosität schlotternden Knie unter Kontrolle zu kriegen. Auch der lustige Jockey von vorhin tauchte zurück am Geländer auf. "Die Position kennst du ja" rief er mir aufmunternd zu und ich dachte, mich tritt ein Pferd. Vorsichtig stellte ich mich in die winzigen Bügel und streckte zaghaft den knochigen Hintern in die Höhe. Zu meiner Verwunderung, funktionierte diese Haltung im Schritt ohne größere Schwierigkeiten und auch im Trab fiel mir das ganze gar nicht so schwer, wie ich gedacht hatte, dass es sei. (Pferdesimulator sei Dank!) Aber als der Trainer dann völlig entspannt verkündete: "Jetzt probieren wir die lange Seite mal im Galopp, wurde mir doch etwas flau im Magen.

Nun ja, bevor ich überhaupt Zeit hatte darüber nachzudenken, ob ich zu einer solchen Aktion überhaupt im Stande war oder ob ich mir gleich alle Gräten brach, wenn ich bei diesem Tempo (ich erinnere noch einmal an die 60 KmH) einen unfreiwilligen Abgang machte, fand ich mich auch schon trabend auf der Strecke wieder. Erst trabend, dann galloppierend und dann folg die Welt an mir vorbei (und mein Leben vor meinem inneren Auge). Ich preschte die lange Seite der Strecke entlang und spürte das Adrenalin, dass durch meine Venen pumpte. Das Pferd unter mir lief wie eine Nähmaschine. An der kurzen Seite der Bahn fielen wir erstaunlich sanft zurück in den Trab und dann beinahe noch sanfter zurück in den Schritt.

Und ich konnte mir nicht helfen und strahlte über beide Ohren, wobei das höfliche Lob des Profitrainers sein übriges tat. ("Gar nicht mal so grauenhaft" Und zum ersten Mal seit langem, fühle ich mich wieder LEBENDIG, dank einer Hand voll wunderbaren Menschen und einer Stute, die sich mit äußerstem Anstand darum bemüht hatte, mich nicht gleich auf den ersten 3 Metern zu verlieren.

Liebe Grüße, vor allem an alle Mit-Pferdefreunde da draußen!

Eure Milena

 

Im Anhang noch ein Foto meines damaligen Lieblingspferdes Camaron 


 

Hallo Welt da draußen!

29.08.2016

Vielleicht kennt der ein oder andere das erdrückende Gefühl, nicht genug zu sein, das Gefühl von innerer Leere oder die Einsamkeit, die einen wie ein unsichtbarer Schatten verfolgt. Falls nicht, ist das wunderbar, wenn nicht gar erstrebenswert, falls ja, dann wisst ihr ja von was ich rede.

Heute ist wieder mal so ein Tag, an dem gar nichts funktionieren will. Mir ist unglaublich übel von der Bestrahlung und mein Kopf fühlt sich an wie Charlie Brown's "Großer Kürbis" und vermutlich sieht er auch so aus, bloß irgendwie aufgedunsen. Heute fühle ich mich gar nicht, wie die frohe Kämpfernatur, die ich so oft vorgebe zu sein (und natürlich auch versuche zu sein), nein heute fühle ich mich, als gehöre ich irgendwie nicht dazu, zum rest der Welt. Draußen scheint die Sonne, die Kinder lachen und sogar Frau Müller-Miebach, meine uralte Nachbarin rollt fröhlich pfreifend mit dem Rollator über ihren unpassend strengen englischen Rasen.

Ich fühle mich wie eine Aussetzige und dass ich jammernd in den nächsten Blumenkübel kotze, macht die Sache irgendwie nicht besser. Ich sollte froh sein, dass ich lebe, stattdessen wünsche ich mir mal wieder, ich sei gar nicht hier. Meine beste Freundin hat mal wieder bloß Augen für ihre neue (563.) große Liebe und meine zweitbeste Freundin hat mich unter einem neuen skurrilen Vorwandt versetzt. Wer will schon mit einer kotzenden Perückenträgerin am Gartentisch vor sich hin vegetieren? Irgendwie kann ich es den beiden nicht verübeln.

Jedenfalls sitze ich jetzt hier und frage mich, ob sich die ganze Quälerei irgendwann mal auszahlt oder ob es dann eher noch dicker kommt (so wie für gewöhnlich, in meinem so verkorksten Leben). Nun ja, sicher nimmt auch dieser Brei an gedanklichem (und physischem) Erbrochenen bald ein Ende, oder wie meine Oma immer sagte: Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei!

Liebe und sonnige Sommergrüße

Eure Milena